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Politische Systeme im Vergleich
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Wie kann es sein, dass jemand, der die meisten Stimmen einer Wahl erhält, trotzdem nicht gewinnt?

Gibt es das denn wirklich? Tatsächlich kann so etwas in bestimmten Formen der Demokratie passieren. Ein Beispiel dafür kann man bei Betrachtung der amerikanischen Wahlen vom Jahr 2000 entdecken. Damals kandidierten die beiden Politiker Al Gore (Demokratische Partei) und George W. Bush (Republikanische Partei) für das Amt des amerikanischen Präsidenten. Al Gore erhielt insgesamt 48,4 % der Stimmen und sein Gegenkandidat Bush lediglich 47,9 %. Dennoch gewann Bush die Wahl und wurde am 20. Januar 2001 als Nachfolger Clintons vereidigt.
Um dies zu verstehen, muss man sich ein wenig das Wahlsystem der USA anschauen.

 

Wahlrecht in den USA

US-amerikanische Wahlen funktionieren nach dem Prinzip der Mehrheitswahl. Dies bedeutet grob gesagt, dass derjenige gewählt ist, der die größte Anzahl der Stimmen im jeweiligen Wahlbezirk erreicht.

In der präsidialen Demokratie der USA wird der Präsident nicht direkt gewählt, sondern von so genannten Wahlmännern. Diese wiederum werden von den Bürgern der Bundesstaaten direkt gewählt. Meist sind sie einer Partei verpflichtet, können aber auch unabhängig sein. Die Partei, die die relative Mehrheit der Wählerstimmen erhalten hat, darf nun sämtliche Wahlmänner für diesen Bundesstaat stellen. Dies wird „The winner takes it all“-Prinzip genannt und ist eben eine spezielle Ausprägung des Mehrheitswahlrechts. Im Lauf der Zeit hat sich in den USA ein Zweiparteiensystem entwickelt. Die beiden Parteien der Demokraten und Republikaner sind die größten Parteien, kleine Parteien haben kaum eine Chance, Stimmen der Wähler zu erhalten oder gar Wahlmänner zu stellen.

Wahlsystem USA

Die Wahlmänner wählen nun den Präsidenten. Da sie meist eine Parteizugehörigkeit haben, wird der Präsidentschaftskandidat der entsprechenden Partei, die die meisten Wahlmänner stellt, gewählt.
Insgesamt gibt es 538 Wahlmänner (Anzahl der Mitglieder im Repräsentantenhaus und der Senatoren).

Wie kann es nun sein, dass ein Präsidentschaftskandidat gewinnt, obwohl sein Gegenkandidat mit seiner Partei mehr Stimmen auf sich vereinigen kann?
Die liegt zum einen daran, dass die einzelnen Bundesstaaten nicht unbedingt ihrer Bevölkerungszahl entsprechend viele Wahlmänner stellen. Jeder Staat darf mindestens drei Wahlmänner entsenden (zwei Senatoren und einen Wahlmann für das Repräsentantenhaus), egal wie wenig Bevölkerung dort lebt. Weitere Wahlmänner werden dann relativ zur Bevölkerungszahl vergeben. Die Mindestanzahl der Wahlmänner führt nun zu einer etwas seltsamen Ausprägung dieses Mehrheitswahlrechts, die durchaus auch kritisiert wird. Es kann nämlich passieren, dass bevölkerungsarme Staaten gemeinsam genauso viel Wahlmänner stellen, wie ein Staat mit insgesamt mehr Bevölkerung.

Mehrheitswahl Dies geschah unter anderem 1988: Die sieben bevölkerungsärmsten Bundesstaaten (Alaska, Delaware, District of Columbia, North Dakota, South Dakota, Vermont und Wyoming) mit insgesamt 3.119.000 Wahlberechtigten stellten 21 Wahlmännerstimmen, genauso viel wie Florida mit 9.614.000 Wahlberechtigten.
Dies und das Prinzip „The winner takes it all“ sorgen dafür, dass ein Präsidentschaftskandidat gewinnen kann, obwohl er nicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen der Bevölkerung erhalten hat.
George W. Bush ist der zweite Präsident, der so gewählt wurde. Geschehen ist es bereits vorher einmal im Jahre 1824 bei der Wahl von John Q. Adams.

Vokabelliste: Wahlen in den USA

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